Lebenshaltungskosten – die zentrale Frage vor jeder Auswanderung
„Ich lebe in Thailand im Luxus für 1000 Euro im Monat.“
So, oder so ähnlich, liest und hört man es überall. Aber ist das wirklich möglich?
Als ich selbst vor meiner Auswanderung nach Thailand stand, habe ich unzählige dieser „Ich lebe für 1000 Euro“-Videos gesehen. Und ganz ehrlich: Hätte ich mich darauf verlassen, wäre meine Auswanderung gescheitert!
Wie hoch dein Budget sein sollte, ist in hohem Maße individuell und hängt von deinem Lifestyle, deiner familiären Situation (gute Schulen sind teuer) und deinem Wohnort ab. Mit meinen Klientinnen erstelle ich deshalb einen individuellen Finanzplan. Aber da wir uns leider nicht persönlich gegenübersitzen, lass uns meine Lebenshaltungskosten in Thailand für ein normales Leben mit etwas Komfort, aber ohne Luxus als Beispiel nehmen, damit du deine Kosten realistisch einschätzen kannst. Ich zeige dir dabei auch, welche Ausgaben in den meisten Übersichten schlicht vergessen werden. Und zum Schluss verrate ich dir, warum 1.000 Euro in der Theorie zwar reichen könnten – in der Praxis aber nicht.
Kurz vorweg: Ich habe die Beträge aufgerundet, damit es übersichtlich bleibt!
Meine Lebenshaltungskosten in Thailand im Detail
Wohnen
Der größte Posten ist – wie überall auf der Welt – deine Miete. Und ebenfalls wie überall auf der Welt, gibt es hier die größte Bandbreite und das größte Einsparpotenzial. Vor allem in beliebten Gegenden wie Phuket, wo ich 2 Jahre gelebt habe, und Bangkok, wo ich bis vor Kurzem gelebt habe, sind die Preise deutlich höher als in Chiang Mai, wo ich heute lebe.
Meine aktuellen Kosten in Chiang Mai:
- Miete Condo: 13.000 THB (~350 EUR)
- Strom (moderater AC-Gebrauch): 1.000 THB (~27 EUR)
- Wasser: 100 THB (~3 EUR)
- Co-Working: 4.766 THB (~130 EUR)
Gesamt: ca. 380 EUR ohne Co-Working / ca. 510 EUR mit Co-Working
Geht’s auch günstiger?
Auf jeden Fall! Kleine, einfache Studios abseits der beliebten Gegenden findest du bereits ab ca. 5.000 THB bis 7.000 THB (~135 bis 190 EUR).
Essen & Trinken
Ich liebe Thai-Food – und esse fast jeden Tag mindestens ein Thai-Gericht!
Aber nach knapp 5 Jahren in Thailand habe ich ab und zu einfach Lust auf andere Aromen … Sauerbraten und Rotkohl zum Beispiel. Was ein bisschen verrückt ist, weil ich da in Deutschland nie Lust drauf hatte. Aber genau wie ich in Deutschland nicht jeden Tag deutsch gegessen habe, möchte ich auch in Thailand nicht jeden Tag thailändisch essen! Und damit steigen die Kosten für’s Essen deutlich an.
Ein anderer Kostentreiber ist Alkohol. Und obwohl ich nicht viel trinke, liebe ich hin und wieder einen guten Rotwein!
Jetzt aber mal Butter bei die Fische:
- Frühstück (Obst, Suppe, Fleischspieße): 60 THB/Tag × 30 Tage = 1.800 THB (~49 EUR)
- Mittagessen (lokale Restaurants, Food Courts & Lieferdienst): 100 THB/Tag × 30 Tage = 3.000 THB (~81 EUR)
- Abendessen (Selbstkochen, Supermarkt-Einkauf): 1.500 THB/Woche × 4 Wochen = 6.000 THB (~162 EUR)
- Westliches / hübscheres Lokal am Wochenende: 1.000 THB/Woche × 4 Wochen = 4.000 THB (~108 EUR)
- Mineralwasser-Lieferung: 800 THB/Monat (~22 EUR)
Gesamt: ca. 430 EUR
Geht’s auch günstiger?
Auf jeden Fall! Wenn du auf westliches Essen verzichtest, vorrangig Streetfood bzw. in kleinen Mom & Pop Shops isst und das Wasser aus dem Automaten trinkst, kannst du je nach Wohnort mit 150-200 THB pro Tag – also rund 6.000 THB oder 162 EUR pro Monat – auskommen. Ob das allerdings langfristig durchzuhalten und gesund ist …
Kommunikation
Handy und Internet … ohne die geht’s heute einfach nicht mehr.
- Internet (Wohnung): 700 THB (~19 EUR)
- Handyvertrag (AIS, unlimitiertes Datenvolumen): 450 THB (~13 EUR)
- Post-Scanservice Deutschland (Caya): 13 EUR
Die Post-Scans aus Deutschland sind gerade für mich als Unternehmerin sehr praktisch – aber auch für private Angelegenheiten Gold wert, z.B. für Schreiben der Krankenkasse oder deutschen Bank.
Gesamt: 45 EUR
Geht’s auch günstiger?
Auf jeden Fall! Wenn du in Deutschland keine Postanschrift brauchst, zuhause kein Internet nutzt und dich für eines der günstigeren Mobilfunkpakete entscheidest, bist du ab 220 THB (~6 EUR) dabei.
Transport
Ich habe einen eigenen Roller, der mich einmalig ca. 1.000 Euro gekostet hat, und fahre damit quasi überall hin. Meine laufenden Kosten sind hier somit recht niedrig. Wenn du frisch ankommst: Plane anfangs ruhig etwas mehr ein, falls du erst einen Roller oder ein Auto mieten willst.
- Benzin für Roller: 500 THB (~14 EUR)
- Öffentliche Verkehrsmittel & Motorradtaxi: 1.000 THB (~28 EUR)
Gesamt: 42 EUR
Geht’s auch günstiger?
Kaum! Außer du gehst vor allem zu Fuß oder nimmst ab und an mal einen Bus bzw. ein Songthaew. Vermutlich wird es für dich eher teurer, gerade wenn du dir anfangs vielleicht ein Fahrzeug mietest. Günstige Roller bekommst du ab ca. 2.500 THB pro Monat (~68 EUR); günstige Autos ab ca. 15.000 THB pro Monat (~403 EUR).
Sport & Wellness
Gesundheit ist das A & O, vor allem wenn man langsam älter wird. Deshalb investiere ich gerne in Sport und Massagen. Und mal ehrlich? Thailand ohne Massagen … das ist wie Pommes ohne Mayo.
- Fitnessstudio (Premium, inkl. Kurse): 1.500 THB (~42 EUR)
- Massage (1× pro Woche): 2.000 THB (~56 EUR)
Gesamt: 98 EUR
Geht’s auch günstiger?
Na klar! Viele Condos haben ein kleines Haus-Gym und einen Pool; Joggen & Wandern ist umsonst; und auch Massagen muss man sich nicht gönnen – aber wer will bitte darauf verzichten????
Kosmetik, Kleidung & Schnickschnack
Hier bin ich vermutlich nicht das Maß aller Dinge, da ich weder für Make-up, noch für Beauty-Behandlungen oder Kleidung viel Geld ausgebe. Wenn das dein Ding ist, kann das Leben hier schon ins Geld gehen. Vor allem westliche Kosmetika sind recht teuer.
- Kosmetik: 1.000 THB (~28 EUR)
- Kleidung & Schnickschnack: ca. 6.000 THB/Jahr (~15 EUR pro Monat)
Gesamt: 43 EUR
Geht’s auch günstiger?
Puh… ja, sparen geht – aber gepflegt sollte man schon bleiben 😉
Abos & Verträge
Ich habe meine privaten Abos auf ein Minimum runtergefahren – viele Sachen brauche ich hier einfach nicht mehr, weil ich eher draußen unterwegs bin. Worauf ich nicht verzichten will sind:
- Netflix: 170 THB (~5 EUR)
- VPN-Software: 90 EUR/2 Jahre (~4 EUR pro Monat)
- Virenschutz: 45 EUR/Jahr (~4 EUR pro Monat)
Hinzu kommen für mich außerdem noch einige berufliche Abos, die ich hier jedoch ausklammere.
Gesamt: 13 EUR
Geht’s auch günstiger?
Netflix ist ein reines Nice-To-Have; hier könntest du also sparen. Aber VPN und Virenschutz – da sind wir beim Thema Sicherheit und darauf würde ich nicht verzichten wollen. Gerade wenn du auch mal gerne im Café oder in einem anderen öffentlichen WLAN unterwegs bist!
Krankenversicherung
Oft vergessen, aber extrem wichtig … die Krankenversicherung!
Da ich meine Auswanderung gestartet habe mit der Idee, als Digitale Nomadin die Welt zu bereisen, habe ich eine vergleichsweise teure internationale Krankenversicherung abgeschlossen.
- Internationale KV mit 500 EUR Selbstbehalt: 275 EUR (Tendenz steigend mit zunehmendem Alter)
- Selbstbehalt umgerechnet auf den Monat: ~42 EUR
Gesamt: 317 EUR
Geht’s auch günstiger?
Klar! Du hast keine Versicherungspflicht! Theoretisch kannst du in Thailand ohne Krankenversicherung leben. Schlau ist das allerdings nicht. Schwere oder chronische Erkrankungen und Unfälle sind einfach unkalkulierbar und meist nicht aus der Portokasse zu stemmen.
Wenn du eine günstigere Lösung suchst, schau dich in Thailand nach sogenannten Expat-Versicherungen um. Hier sind die Beiträge meist deutlich niedriger.
→ In Kürze erscheint ein ausführlicher Artikel zum Thema Krankenversicherung in Thailand. Schau also gerne nochmal vorbei.
Visa-Kosten
Ich habe mittlerweile 4 verschiedene Visa in Thailand durch: Gestartet bin ich mit dem Touristenvisum, das habe ich dann in ein Education-Visum getauscht und irgendwann war ich alt genug für ein Rentnervisum, das man ab 50 bekommen kann.
In Kürze erscheint ein Visa-Überblick, in dem ich im Detail erkläre, welche Visa es gibt und was für wen am sinnvollsten ist. Schau also gerne später nochmal vorbei!
Mittlerweile bin ich auf das neue DTV, das Destination Thailand Visa gewechselt. Dafür kalkuliere ich folgende Kosten ein:
- DTV-Visum (5 Jahre, einmalig ~350 EUR): ~6 EUR/Monat
- Visa bzw. Border Run (alle 180 Tage: ~150 EUR): ~25 EUR/Monat
- Visumsverlängerung (alle 180 Tage: 1.900 THB): ~9 EUR/Monat
(Nicht empfohlen, da viele Immigrations hier Probleme machen und du nur deine Zeit verschwendest!)
Gesamt: 31 EUR
Geht’s auch günstiger?
Das DTV ist schon verdammt günstig. Noch günstiger wird es eigentlich nur, wenn du ein Marriage oder Retirement Visa mit der einjährigen Extension of Stay nutzt. Diese sind jedoch an gewisse Voraussetzungen geknüpft, beim Rentnervisum musst du z.B. eine monatliche Rente von 65.000 THB (~1.750 EUR) oder Ersparnisse von 800.000 THB (~21.500 EUR) auf einem Thai-Konto nachweisen. Dann kostet dich die Extension of Stay nur 1.900 THB (~52 EUR) pro Jahr.
Meine grundlegenden Lebenshaltungskosten pro Monat
Wenn wir die obigen Zahlen addieren ergeben sich folgende Gesamtausgaben:
SUMME: 1.529 EUR/Monat
Mit unter 1.600 Euro monatlichem Einkommen kannst du in Thailand angenehm leben – ohne große Einschränkungen, aber auch ohne Luxus!
Das sind jedoch nur die grundlegenden, laufenden Kosten. Nicht darin eingeschlossen sind 3 wichtige Dinge, die du keinesfalls vergessen solltest!
Oft vergessene Kosten
Soziale Absicherung
Wenn du in Thailand lebst, gibt es keinen Staat, der dich in einem Notfall auffangen würde! Du musst also selbst für schlechte Zeiten vorsorgen!
Ich habe im Vorfeld meiner Auswanderung genug angespart, um 6 Monate mit meinem normalen Lebensstil oder 12 Monate mit einem minimalistischen Lebensstil zu überbrücken.
Rente
Wenn du in Thailand lebst, zahlst du im Allgemeinen nicht in eine Rentenkasse ein. Solltest du in Thailand angestellt sein: Die thailändische Rentenkasse zählt nicht; der Betrag ist so niedrig, davon kannst du nicht einmal eine Woche überleben. Auch hier musst du selbst vorsorgen, z.B. indem du geeignete Fonds besparst.
Ich bespare verschiedene Fonds, davon automatisiert 500 EUR pro Monat PLUS Einmaleinlagen bei entsprechendem Überschuss.
Reisen
Reisen innerhalb Thailands, in die Nachbarländer oder auch mal zum Heimatbesuch nach Deutschland – diese Kosten solltest du nicht vergessen!
Im Frühjahr – wenn in Chiang Mai die Burning Season startet – werde ich 1 Monat am Meer verbringen und im Sommer möchte ich 2-3 Monate in Europa verbringen. Dafür kalkuliere ich ca. 5.000 Euro; also auf den Monat runtergebrochen ca. 420 EUR.
Meine realen Kosten pro Monat
Summa summarum komme ich also auf:
- 1.600 Euro laufende Lebenshaltungskosten
- 500 Euro Mindestsparrate
- 420 Euro Rücklagen für Heimatbesuche
SUMME: 2.520 Euro – oder gerundet 2.600 Euro
Kannst du mit 1.000 Euro in Thailand (über-) leben?
Überleben? Ja. Leben? Eher nicht.
Um mit 1.000 Euro auszukommen, müsstest du dich massiv einschränken:
- Keine beliebte Wohngegend oder schöne Wohnung
- Kein eigenes Fahrzeug oder teure Taxifahrten
- Keine Premium-Krankenversicherung
- Kein westliches Essen & kein Alkohol
- Keine teuren Freizeitaktivitäten
Warum es langfristig meist trotzdem nicht funktioniert?
Doch selbst wer extrem sparsam lebt, stößt an zwei Grenzen:
1. Visa-Anforderungen: Fast alle Langzeitvisa verlangen finanzielle Nachweise. Egal, wie günstig du lebst, du musst auf jeden Fall ausreichend Ersparnisse haben.
2. Keine soziale Absicherung: Ohne Rücklagen riskierst du nicht nur finanzielle Probleme, sondern deine Existenzgrundlage. Die fehlende soziale Absicherung ist für viele das größte Risiko – das solltest du nicht unterschätzen.
Fazit
Ein Leben in Thailand ist deutlich günstiger als in Deutschland, aber nicht so billig, wie oft behauptet wird. Und ganz ehrlich? Die meisten möchten doch auswandern, weil sie sich ein besseres Leben wünschen – nicht um jeden Baht dreimal umzudrehen.
Was würde ich empfehlen? Wenn du langfristig in Thailand leben und nicht nur überleben möchtest, solltest du mindestens 1.500 bis 2.000 – besser noch 2.500 Euro monatlich einplanen und zusätzlich einen angemessenen Notgroschen für Visa, Notfälle und andere Eventualitäten auf der hohen Kante haben.
Mehr über meine Erfahrungen aus 5 Jahren Thailand liest du übrigens hier.


